Reetdach – natürlich leben, aber gefährlich?


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Reetdach

Das Reetdach ist in Norddeutschland sehr weit verbreitet. Dabei wird das Dach mit Schilf gedeckt, wobei dieser organische Deckwerkstoff beim klassischen Reetdach keine chemische Behandlung erfährt. Sowohl beim Wuchs der Pflanze als auch bei der weiteren Verarbeitung zur Dacheindeckung werden keine chemischen Behandlungen durchgeführt. Generell gilt das Reetdach als sehr langlebig, was sich auf den speziellen Aufbau der Pflanze zurückführen lässt. Allerdings haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht nur die Klima- und Umweltbedingungen, sondern auch die Lebensgewohnheiten der Menschen deutlich verändert. Dadurch leiden ebenso die Reetdächer.

 

Gefahren für das Reetdach

Durch diese Veränderungen sind immer mehr Reetdächer mit Algen, Moosen und Flechten überzogen, auch andere Organismen setzen sich gerne darauf ab. Zwar können sie dem langlebigen Baustoff grundsätzlich nichts anhaben, allerdings beeinträchtigen sie den Luftaustausch. Zudem sorgen sie dafür, dass das Reetdach nicht mehr richtig austrocknen kann und sich vermehrt Feuchtigkeit bildet.

Diese Feuchtigkeit sorgt dann dafür, dass das Reetdach nach und nach verrottet und kann insgesamt die Lebensdauer dieser Dacheindeckung deutlich verkürzen. Um zu erkennen, ob das Reetdach bereits geschädigt ist, sollte es komplett von Verschmutzungen befreit sein. Nur dann ist eindeutig festzustellen, wie und ob eine Schädigung vorliegt.

 

Regelmäßige Reinigung des Reetdachs nötig

Generell ist die mindestens jährliche, komplette Reinigung des Reetdaches erforderlich. Der sich bildende Biofilm aus Algen, Moosen und Flechten muss dafür möglichst vollständig entfernt werden. Wer sich an diese Aufgabe nicht selbst herantraut, kann auch einen Wartungsvertrag mit einem spezialisierten Fachbetrieb abschließen.

 

Geht vom Reetdach eine erhöhte Brandgefahr aus?

Das Reetdach weist ebenfalls eine erhöhte Brandgefahr auf. In den heißen Sommermonaten, wenn das Reetdach oft stark ausgetrocknet ist, kann es leicht Feuer fangen. Aber auch die üblichen Silvester-Raketen können zur Gefahr für Besitzer eines Reetdaches werden. Auf den nordfriesischen Inseln, wo diese Dachform sehr weit verbreitet ist, ist daher das Abbrennen von Feuerwerkskörpern generell untersagt.

Kommt es dazu, dass das Reetdach Feuer fängt, breitet sich der Brand binnen einer halben Stunde großflächig aus. Die Reetbündel können sich lösen und einfach vom Dach rutschen, so dass nicht einmal ein gefahrloses Entkommen aus dem Gebäude möglich ist. Sobald also der Verdacht auf ein Feuer besteht, sollten die Bewohner das Haus sofort verlassen. Da die Problematik schon länger bekannt ist, haben sich seit dem 18. Jahrhundert Brandtüren durchgesetzt. Sie befinden sich an den Längsseiten des Gebäudes und verfügen über einen eigenen Spitzgiebel, der vor den herabfallenden, brennenden Reetbündeln schützen soll.

Diese erhöhte Brandgefahr ist auch der größte Nachteil, den Reetdächer gegenüber "normalen" Dächern haben. Denn sie führt ebenfalls zu erhöhten Versicherungsprämien.